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WahrnehmungsfähigkeitBearbeiten

Fertigkeiten bezeichnen einen erworbenen Teil des Verhaltens. Fähigkeiten sind Vorstufen für die Realisierung einer Fertigkeit.

Faehigkeiten

Aufnahme der Information durch:

  1. über Augen (Sehsinn, visuelle Wahrnehmung)
  2. übers Gehör (Gehörsinn, auditive Wahrnehmung)
  3. über Haut (Tastsinn, haptische Wahrnehmung) Muskeln, Gelenke
  4. über Nase (Geruchssinn, olfaktorische Wahrnehmung)
  5. übers Ohr (Gleichgewichtssinn, vestibuläre Wahrnehmung)
  6. über Mund (Geschmackssinn, gustatorische Wahrnehmung)


Hintergrund des AugesBearbeiten

  • Gelber Fleck (Netzhautgrube) = zentraler Sehbereich, mit dem man Objekte scharf sieht (Scharfsehbereich)
  • Lichtrezeptoren = Sehsinneszellen, Lichtsinneszellen; sitzen in der Netzhaut
a) Stäbchen = lichtempfindlicher, -> für das Dämmerungssehen (sitzen in der Netzhaut, außerhalb der Netzhautgrube)
b) Zäpfchen = weniger lichtempfindlich, -> Farbsehen, Scharfsehen (befinden sich im Bereich der Netzhautgrube (gelber Fleck))
  • Blinder Fleck = Teil der Netzhaut, an der der Sehnerv sitzt; es sind keine Lichtrezeptoren vorhanden
  • Blickfeld = Bereich, der sich bei unbewegtem Kopf durch Augenbewegungen deutlich überblicken lässt
  • Gesichtsfeld = Bereich, den man wahrnehmen kann, während man etwas mit dem Blick fixiert
  • Zentrale Tagessehschärfe = Zone des deutlichsten bzw. schärfsten Sehens
  • Peripheres Sehen = visuelle Wahrnehmung außerhalb der zentralen Zone des schärfsten Sehens (ca. 160-170° mit 20 Jahren, ca. 140° mit 70 Jahren) (Geschwindigkeitswahrnehmung, Querverkehr, Einschätzen der Seitenabstände, Dämmerungs- und Nachtsehen)


Phasen der WahrnehmungBearbeiten

1. Sehen - Der Vorgang des Sehens als Umwandlung der Umweltreize in Nervensignale und Weiterleitung an das Gehirn.

2. Wahrnehmen - Der Prozess der Wahrnehmung: Die einzelnen Merkmale des Objekts werden zu einem Gesamtbild zusammengefügt.

3. Erkennen - Der Vorgang des Erkennens: Erkennung der Funktion des wahrgenommenen Objekts und entsprechende Reaktion.


Besonderheiten der Wahrnehmung:Bearbeiten

  • Mehrdeutigkeiten
  • Wahrnehmungstäuschung
  • Teilidentifikation


Konsequenzen für die Fahrausbildung bzw. für den StraßenverkehrBearbeiten

  • Fahrschüler nehmen die Verkehrsumwelt unterschiedlich wahr
  • Fahrlehrer-Aussagen können unterschiedlich interpretiert werden
  • individuelle Ausbildung eines jeden Fahrschülers
  • wichtige Verkehrszeichen gibt es nur einmal
  • klare, eindeutige Arbeitsaufträge
  • nicht zu viele Informationen weitergeben, die gleichzeitig verarbeitet werden müssen
  • körperliche Fitness
  • „sehen“ + „gesehen werden“ vergrößern Blickschulung, Blickführung, Blickfolgen

Unter Blickschulung versteht man das bewusste Erlernen von Blicktechniken, die einem das Wahrnehmen und Reagieren in bestimmten Verkehrssituationen erleichtern. Beispiele für Blickschulung:

Ortsausgang, Ende 30er-Zone, Ende des verkehrsberuhigten Bereichs ⇒ vorausschauend fahren ⇒ Fahrbahnrand (beiderseits) beobachten ⇒ geringere Bebauung -> (Ortsausgangsschild) Blick nach links
⇒ Stop-Schild, Vorfahrt gewähren, Blick nach links ⇒ anderer Belag, ggf. abgesenkter Bordstein ⇒ Blick nach links (→ Ende verkehrsberuhigter Bereich / Ende 30er-Zone)
Fußgängerüberweg ⇒ Blick nach links und rechts
parkende Fahrzeuge im Wohngebiet ⇒ Zwischenräume beobachten ⇒ unter Fahrzeugen durchschauen ⇒ in Fahrzeuge hineinschauen
Gefahrzeichen ⇒ stehen rechts ⇒ abhängig von der Gefahr ⇒ angemessen verhalten
Bahnübergänge ⇒ links und rechts schauen
Blendung
a) von vorne (Fernlicht des Gegenverkehrs, tief stehende Sonne) ⇒ am rechten Fahrbahnrand orientieren
b) von hinten (rückwärtiger Verkehr, tief stehende Sonne) ⇒ Abblendeinrichtung benutzen
Rechts-Vor-Links-Kreuzungen ⇒ Wartelinien, Straßennamenschilder, Bordsteinverlauf
Stauende ⇒ auf Bremslichter und Warnblinker achten ⇒ auf rückwärtigen Verkehr achten

BlickführungBearbeiten

Unter Blickfolgen versteht man die immer wiederkehrende Anwendung bestimmter Techniken der Verkehrsbeobachtung bei bestimmten Verkehrsvorgängen.

Bei der Blickführung unterscheidet man unter einer bewussten und unbewussten Blickführung.

Beispiele für unbewusste Blickführungen:
  • Blickzuwendung zu einem Wahrnehmungsobjekt, das vom Verkehrsgeschehen auf der Straße ablenkt
  • gestreckter Blick auf einer geraden Straße nach vorne, z.B. durch Längsmarkierungen am Fahrbahnrand oder den breiten, geraden Straßenverlauf, entsprechende Bebauung am Straßenrand

Unter Blickführungstechniken versteht man eine gezielte Führung des Blickes in eine gewünschte Richtung, um eine bestimmte Fahrtrichtung zu erzielen (bewusste Blickführung).

Grundsätzlich gilt, in die Richtung schauen, in die man fahren will. Der Blick sollte das Fahrzeug führen, nicht umgekehrt.



AufmerksamkeitBearbeiten

Unter Aufmerksamkeit versteht man die Fähigkeit, sich bestimmten Objekten oder Reizen der Umgebung zuzuwenden, diese auszuwählen und anschließend im Gehirn weiter verarbeiten zu können.

Aufmerksamkeit
Unfallursachen:
Technische Ursachen 1,6%
Umgebungsfaktoren 10%
Menschliches Versagen 84%
Sonstige Ursachen 4,4%

Einschränkungen der AufmerksamkeitBearbeiten

  • beschränkte Aufmerksamkeitskapazität
  • Ablenkbarkeit der Aufmerksamkeit
    • positiv (Bsp.: Blickzuwendung zu einem Kind am Fahrbahnrand)
    • negativ (Bsp.: Flugzeugverkehr)
  • Absinken der Aufmerksamkeit mit Abnahme der Umweltreize (monotones Fahren)
  • StVO: unterschiedliche Abstände i.g.O. / a.g.O.
  • Schwankungen der Aufmerksamkeit
    • Weckereffekt alle 14 Sekunden
    • maximale Daueraufmerksamkeit 20 Minuten
    • Gegenwartsdauer - 5 Sekunden (Informationen verschwinden aus dem Gedächtnis, wenn sie nicht weiterverarbeitet werden)


Konsequenzen für den UnterrichtBearbeiten

  • Pausen einlegen
  • Auswahl und Begrenzung der Informationen
  • Schüleraktivität fordern
  • abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung
  • Störquellen ausschalten
  • bewusste Steuerung der Aufmerksamkeit
⇒ unerwartete Geräusche
⇒ interessanter Unterrichtseinstieg
  • kürzere, aber häufigere Blickzuwendung im praktischen Unterricht
  • persönliche Betroffenheit erzeugen durch Auswahl bekannter Inhalte
  • Methodenwechsel
  • Medienwechsel
  • adressatenorientierter Unterricht (Inhalte, Medien, Methoden)
  • „Informationshäppchen“


Unter Konzentration versteht man die Bündelung aller Sinne auf einen ausgewählten Bereich der Umgebung.


Persönliche Bedingungen der ReaktionsdauerBearbeiten

  1. Wahrnehmen ⇒ Erfassen ⇒ Entscheiden ⇒ Mobilisieren ⇒ Bewegen
  • persönliche Faktoren: Fahrbegabung, Alter, Erfahrung, Gesundheit, Fahrerfahrung
  • äußere Faktoren: Verkehrssituation, Art des Wahrnehmungsgegenstandes, Ort des Wahrnehmungsgegenstandes, Art des Handlungsgegenstandes
  1. Automatismen bilden
    Fit sein beim Fahren ⇒ körperlich und geistig
    Konzentriert und aufmerksam fahren
    situationsangepasst fahren


Unter Reaktionsdauer versteht man die Zeitspanne zwischen dem Wahrnehmen eines Gegenstandes, der Handlungsentscheidung und dem Umsetzen des Fußes bis zur Berührung des Bremspedals.


Kürzere Reaktionszeiten durch:Bearbeiten

  • vorausschauendes Fahren
  • konzentriert fahren ⇒ auf Nebentätigkeiten verzichten
  • nüchtern + körperlich fit fahren
  • Sicherheitstraining ⇒ Automatismen
  • mit Fehlern anderer rechnen
  • Antizipationsfähigkeit lehren / lernen
  • 3-A-Training / 4-A-Training
  • mentale + motorische Bremsbereitschaft (Zeitgewinn: 0,3 Sekunden)

Reaktionsweg



Inhaltsabhängige GedächtnisformenBearbeiten

Gedaechtnisformen


Anfahren am BergBearbeiten

Zerlegen:

  • Motor an
  • 1. Gang
  • Schleifpunkt suchen
  • Innenspiegel
  • Außenspiegel
  • Schulterblick
  • Handbremse öffnen
  • Blinker setzen
  • Kupplung langsam kommen lassen und Gas geben


Zusammenfassen zu Oberbegriffen:

  1. Fahrbereit machen
    • Motor an
    • 1. Gang
    • Schleifpunkt suchen
    • Gas geben
  2. Verkehrsbeobachtung
    • Innenspiegel
    • Blinker
    • Schulterblick
    • Außenspiegel
  3. Handbremse lösen

Die Informationsverarbeitung im GehirnBearbeiten

Infoverarbeitung


Konsequenzen für den FahrschulunterrichtBearbeiten

  • nicht zu viele Informationen auf einmal geben, sondern dosiert
  • einzelne motorische Abläufe immer wiederholen
  • möglichst an Vorwissen anknüpfen
  • Aufmerksamkeit steigern + Interesse wecken

→ abwechslungsreicher Unterricht = Medien- und Methodenwechsel → Humor → Stimmlage verändern → Lernbedingungen optimieren

  • Wichtigkeit von Inhalten herausstellen
  • persönliche Betroffenheit erzeugen + persönlichen Nutzen
  • Inhalte + Ziele benennen und begründen
  • mit Bildern (z.B. Tafelbild) + Gefühlen verknüpfen
  • möglichst viele Sinne ansprechen


Das menschliche GroßhirnBearbeiten

Grosshirn


Einseitigkeit vermeiden: Wissen, logisches Denken, Emotionen und Bilder verwenden


Die verschiedenen Dimensionen von EmotionenBearbeiten

Kognitive Dimension (gedankliche Bewertung)Bearbeiten

  • Ist die Situation bedrohlich?
  • Kann ich die Situation bewältigen?


Subjektive Dimension (subjektives Empfinden)Bearbeiten

  • Gefühl im engeren Sinne


Physiologische Dimension (hormonelle Veränderung)Bearbeiten

  • Änderungen Blutdruck, Muskelanspannung - machen den Körper handlungsbereit


Expressive Dimension (Ausdrucksreaktion)Bearbeiten

  • Mimik, Gestik, Sprache, körperliche Reaktion = Faust ballen


Verhaltensvorbereitende / motivationale DimensionBearbeiten

  • Kampf oder Flucht (z.B. zwei Schritte nach vorne gehen)


Emotionen sind bestimmte seelische Befindlichkeiten eines Menschen, die das Denken, Erleben, körperliches Empfinden und körperlichen Ausdruck umfassen.


Einflüsse von Emotionen auf das Fahrverhalten

  • Unkonzentriertheit
  • Abreagieren beim Fahren: schnell – dicht – rot …
  • gelassener
  • Unsicherheit durch Angst
  • erhöhte Risikobereitschaft
  • „thrill“ = Angst + Lust
  • „Flow“ = Verschmelzung von Handlung und Bewusstsein ! Ausblenden vom Verkehrsgeschehen !
  • Überlegenheitsgefühl

! Die Stärke des Gefühls ist entscheidend für den Einfluss auf das Verhalten !


Gefuehlsbewaeltigung